Zoe Leela über CC, GEMA und Musikmachen im digitalen Zeitalter

Wenn man nach Best Practice Beispielen für erfolgreiches Musikermarketing sucht, stößt man schnell auf die Sängerin und Songwriterin ZOE.LEELA – was nicht zuletzt mit ihrer digitalen Präsenz zusammenhängt. Creative Commons und Social Media bringen natürlich nichts, wenn man nicht vor allem tolle Musik macht. Dass aber eine konsequente Nutzung der digitalen Kanäle und Netzwerke hilfreich, wenn nicht unabdingar sind, zeigt die Künstlerin par Excellence. Sie war so nett, mir zum Thema „Musikmachen 2.0“ einige Fragen zu beantworten.

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Du vermarktest deine Musik konsequent unter einer Creative Commons Lizenz. Welche Vorteile hat das? Gibt es auch Nachteile?

Als ich 2009 meine erste E.P. „Queendom Come“ unter einer CC Lizenz veröffentlichte wollte ich lediglich Hörer für meine Songs erreichen. Das Internet als Infrastruktur macht mir dies möglich. Dabei hilft mir die CC Lizenz mein Material zu schützen und u.a. für mögliche Remixe und kommerzielle Verwertungen frei zugeben, unter Vorrausetzung bestimmter Richtlinien. Das wollte ich probieren. Als Newcomer ist es natürlich unheimlich spannend, zu beobachten, wie schnell und global sich meine Musik verbreitet. Viele Remixe sind entstanden und man findet Videos im Netz aus verschiedenen Ländern, bei denen meine Musik unterlegt ist. Das erfüllt mich und gibt mir das Gefühl eine richtige Entscheidung getroffen zu haben. Nachteile? Wie definiert man Nachteile in einem so belebten Geschäft wie dem Musikbiz? Sagen wir es so, ich habe schnell ein Level erreichen können, in dem es turbulentere Tage und es auch mal schönere Tage gibt. Ich kann das nicht als Vor- und/ oder Nachteile einstufen, denn ich nehme es so wie es ist. Das Projekt ZOE.LEELA hält mich und mein Team mächtig in Bewegung und da gehören Erfolge, wie Enttäuschungen zusammen.

Deine kritische Position bezüglich der GEMA – die viele Musiker teilen – lässt sich auf deiner Website nachlesen. Fällt dir ein einziger Grund ein, warum es sich dennoch lohnen könnte, dort Mitglied zu werden?

Ich bin mir sicher, dass viele Musiker die GEMA als das wahrnehmen was sie ist, als ihre Verwertungsgesellschaft, die in ihrem Interesse agiert. Ich persönlich sehe das etwas kritischer und möchte niemanden mit meinen vier Thesen überzeugen, vielmehr auf etwas hinweisen und Denkanstösse liefern.

Welche Erfahrungen hast du als unabhängige Musikerin gemacht? Was kannst du aufstrebenden Bands an Ratschlägen mit auf den Weg geben?

Meine Erfahrungen sind größtenteils positiv. Man darf nicht vergessen, wie das Projekt ZOE.LEELA startete. Primär durch die Hilfe von Freunden, die ihre Kernkompetenzen zusammen gefügt haben und das Material online zur Verfügung gestellt haben. Das klammert ein organisatorisches Arbeiten nicht aus, denn Musik machen ist eine Sache. Shows zu generieren und diese zu bewerben eine andere, als Beispiel oder sich zu wichtigen Interviews vorzubereiten etc. Prinzipiell gilt vielleicht, dass das Hochladen von Content nicht immer allein ausreichend ist. Du musst es bewerben, egal ob durch Shows oder durch das generieren von Interviews. Man sollte sich eine Roadmap erstellen, in dem man Ziele und mögliche Ansprechpartner und Multiplikatoren definiert und diese dann angeht.

Live trittst du mit Band auf, deine Studioproduktionen haben eher elektronischen Charakter. Produzierst du deine Songs selber?

Nein. Meine Songs erarbeite ich überwiegend mit meinem Produzenten Noah Felk. Als wir mein aktuelles Album DIGITAL GUILT produzierten, gab es die Band noch nicht. Die kam erst nach der Fertigstellung dazu. Ich finde es sehr spannend, wie das im Studio produzierte Material live von meiner Band und mir getragen wird. Ich kann mir vorstellen, mit neuen Arbeiten intensiver mit meiner Band und Produzenten zusammen zu arbeiten.

Welche Rolle spielt Crowdfunding für dich?

Meine Meinung zu Crowdfunding ist etwas gespalten. Ich verstehe schon den Sinn dahinter, tue mich aber etwas schwer bei dem Gedanken, fremde Menschen um Geld zu bitten. Es gibt weitaus sinnvolleres das mit Geld zu organisieren gilt. Sicher, wenn Hardcore Fans einen unterstützen möchten und bereit sind zu zahlen, dann ist es toll. Nur wie gesagt, einen Künstler auf einen Marktplatz zu präsentieren um Geld zu sammeln, finde ich schon schwierig. Ich versuche ja schon durch meine Bühnenpräsenz und durch klare Interviews zu überzeugen.

Ein Argument für die Vermarktung durch ein Label ist, dass der Künstler sich (angeblich) auf seine Musik konzentrieren kann. Wie schaffst du es, Marketing, Social Web, Booking, und Musikmachen unter einen Hut zu bekommen?

Zum Glück habe ich ja eine Situation wo mir vieles abgenommen wird. Ich habe ein Management, dass sich um verschiedene Anfragen kümmert, eine Booking Agentur und einen Vertrieb, der sich um die Verfügbarkeit meiner Musik einsetzt. Organisation ist alles, egal ob als One Woman Show oder im Team. Es liegt doch an einem selbst, welche Ansprüche man hat und wie man diese umgesetzt bekommt.

Was machst du, wenn ein Major-Label dir einen Deal anbietet? Unter welchen Umständen würdest du unterschreiben?

Das kann ich so nicht beantworten. Denn dazu müsste ich das Angebot genauer kennen und die Möglichkeiten abstecken, um zu wissen, worauf ich mich einlasse. Eine Zusammenarbeit mit einem Label muss nicht immer Nachteile mit sich bringen. Wenn die Chemie und die Möglichkeiten passen, dann haben doch beide Seiten Vorteile.

Kann man als unabhängiger Künstler (über)leben?

Gegenfrage, wie definiert man unabhängiger Künstler? Ich persönlich mache Musik nicht in erster Linie, um davon leben zu können. Für mich ist es weitaus wichtiger, meinen Ausdruck zu finden und als Künstlerin wachsen zu können. Dabei ein Publikum zu erreichen ist für mich weitaus spannender als mir Gedanken zu machen, ob ich davon finanziell abhängig bin. Das Leben ist zu komplex, um es nur von einer Sache abhängig zu machen.

(Foto: TOMPIGS.COM)