Werkstatt 2.0: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Gastbeitrag von Mathias Donderer, Cellist im DSO Berlin

Facebook, Twitter und Konsorten sind mittlerweile zum festen Bestandteil unseres heutigen Internet-Lebens geworden – von vielen akzeptiert, von vielen aber auch abgelehnt, sei es aus Datenschutzgründen oder schlichtweg aus Ablehnung persönliche Details preiszugeben. 


Vor ca. anderthalb Jahren bin ich facebook beigetreten, nachdem ich von mehreren Kollegen meines Orchesters darauf angesprochen wurde. Faszinierend fand ich die Möglichkeit, verschollene Studienkollegen, Klassenkameraden und Freunde wiederzufinden. Damit war allerdings die erste Begeisterung vorbei, gab es doch gar zu viele Statusmeldungen wie „Horst brät sich ein Spiegelei“ oder „Jane geht jetzt zum Friseur“, ganz zu schweigen von drittklassigen Schnappschüssen, die auch noch enthusiastisch kommentiert wurden….

Interessant wurde es erst wieder, als ich nach und nach verschiedene Gruppen und Fan-Seiten entdeckte, die sich mit Personen oder Institutionen beschäftigen, die auch mich interessieren.

Im Dezember 2009 kam dann der  DLR-Intendant Willi Steul mit der Idee, mein Orchester, das DSO Berlin, mit dem RSB Berlin zu fusionieren. Dies wurde uns in einer Orchesterversammlung mitgeteilt.

Am selben Abend habe ich die facebook-Seite „Rettet das DSO Berlin“ ins Leben gerufen. Die Einladung zu dieser Gruppe an meine ca. 70 „Freunde“ bei facebook führte zu einer Mitgliedschaft von ca. 2500 Menschen innerhalb von weniger als 50 Stunden.

Dies war tatsächlich eine besondere Erfahrung. Reaktionen aus aller Welt trafen ein, es wurde Unterstützung angeboten etc.

Dieses Forum konnte ich nun wiederum nutzen, um meine inzwischen auf youtube hochgeladenen Videos in diversen Sprachen zur geplanten Fusion zu verlinken, mit dem Ergebnis, dass zumindest die deutsche Version innerhalb von 24 Stunden mehr als 500 mal angeklickt wurde.

Die geplante Fusion wurde glücklicherweise relativ schnell ad acta gelegt, – auch weil die Anzahl der Mitglieder bei den Verhandlungen als Unterstützer verwendet werden konnte –  meine Gruppe habe ich in „DSO Berlinumbenannt – sie hat inzwischen über 3500 Mitglieder, ich versorge sie dezent mit Neuigkeiten, denn nichts ist nerviger als permanente Belästigung durch „gutgemeinte Newsletter“….

 

Bleibt die Frage: Was bringt das Web 2.0 wirklich?

 

Nachdem unsere Administration mittlerweile eine DSO Fan-Seite bei facebook eingerichtet hat, die seit Anfang Januar allerdings lediglich 300 Mitglieder akquirieren konnte, drängt sich der Verdacht auf, dass im Zeitalter der schnellen Katastrophenmeldungen Interesse nur von kurzer Dauer ist. Ein jeder mag die entsprechenden Blogs und Aktionen über Haiti verfolgen – ich wage vorauszusagen, dass in ein paar Wochen kein Hahn mehr danach kräht….

Letztlich kann Web 2.0 nur ein Anstoss sein, Informationen zu vermitteln und Kontakte herzustellen, die man sonst so nicht gefunden hätte – den persönlichen Kontakt und das Gespräch unter Menschen wird es nicht ersetzen können!

Als trauriges Beispiel bleibt mir ein Artikel über den Freitod des Londoner Bankers Anjool Malde in Erinnerung, der mit dem Satz endete: „…er hätte einen von seinen über 1200 facebook – Freunden gebrauchen können…“