Twittern in der VIP-Lounge

Jetzt weiß ich endlich, warum Twitter immer wieder als „Kurznachrichtendienst“ bezeichnet wird. In einer Pressemitteilung des Beethovenfestes Bonn zum Public Viewing des Eröffnungskonzerts ist folgende unfreiwillig komische Passage zu lesen:

„Neu in diesem Jahr ist ein Twitter-Event in Kooperation mit der Sparkasse KölnBonn, das das Public Viewing begleitet. Etwa 20 Blogger und Twitterer aus der Region sollen über das Programm auf dem großen Screen berichten und sowohl über das Vorprogramm, die Live-Moderationen und Diskussionen als auch über die eigentliche Konzertübertragung twittern. Die Berichterstattung wird über den Kanal @beethovenfest in Gänze zu verfolgen sein.

Wer Interesse hat, am 7. September beim Tweet up als aktiver Twitterer teilzunehmen, melde sich gerne an unter marketing@beethovenfest.de. Voraussetzung ist ein eigener Twitter Account, der bereits seit sechs Monaten online ist. Die Teilnehmer sollten mindestens 100 Follower und 200 Tweets veröffentlicht haben. Die Twitterer erhalten als Dank für Ihre Teilnahme 1×2 Freikarten für ein weiteres Beethovenfest-Konzert. Ihre Verpflegung in einem abgetrennten Bereich während des Tweet up ist selbstverständlich gewährleistet.“

Twitter-gang

(Quelle: ph7labs)

 Vielleicht hat die Sparkasse KölnBonn konzeptionell etwas zuviel mitreden dürfen – jedenfalls wird hier die Idee des TweetUp grundlegend missverstanden:

  • Twitter ist eine OFFENE Plattform, dem gemäß sollte auch ein solches Event OFFEN sein.
  • Twitterer auszuwählen ergibt ebensowenig Sinn wie die „Berichterstattung“ über einen bestimmten Account zu veröffentlichen. Jeder Internetnutzer mit oder ohne Twitteraccount kann die relevanten Tweets bequem verfolgen, indem er nach dem entsprechenden #Hashtag filtert (gibt es überhaupt einen?).
  • Wenn man eine Hürde von 100 Followern festlegt, kann man auch gleich darauf hinweisen, dass Teilnehmer über eine Internetverindung verfügen sollten.
  • In einem „abgetrennten“ Bereich, einer Art VIP-Lounge twittern zu lassen, lässt die Aktion vollends absurd erscheinen. Was in der Pressemeldung nicht erwähnt wird: für alle anderen gilt natürlich Twitterverbot!

Im Ernst: warum nicht einfach eine Twitterwall einrichten und einen Hashtag unter die Leute bringen? Den Rest erledigt schon die Community. Nachhilfe bietet unter anderem die Frankfurter Initiative KultUp.