Social Media im Kulturbetrieb: (K)eine Frage des Geldes?

theater_heilbronnWie die meisten kleinen und mittleren Kulturbetriebe hat auch das Theater Heilbronn wenig personellen Spielraum, wenn es um das Thema Social Media geht. Und trotzdem hat das Haus ein exzellentes Social-Web-Team – hauptamtliche Mitarbeiter aus den Bereichen PR, Dramaturgie und Theaterpädagogik. Ein Musterbeispiel, wie es auch ohne große Budgets gehen kann!

Im Vorfeld meines Vortrags beim Clustermanagement Musikwirtschaft am 18.4. in Mannheim habe ich mit Marketingleiterin Katrin Schroeder gesprochen, die für das Social-Media-Konzept des Theaters verantwortlich ist:

Gibt es bei euch hauptamtliche Mitarbeiter(innen) für Social Media?

Nein, die gibt es nicht. Mein eigentliches Aufgabengebiet, für das ich hier eingestellt wurde, ist die Grafik-Erstellung sämtlicher Printprodukte unseres Hauses, die Betreuung der Homepage und das Marketing. Da ich privat ein aktiver Nutzer von Social Media bin, habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir dies auch für das Theater nutzen und bin auf offene Ohren gestoßen, auch wenn viele meiner Kollegen weder twittern noch bei Facebook sind.  Ende 2010 war es dann so weit.

Bild1Was kannst du als Marketing-Verantwortliche stemmen? In welchen Bereichen unterstützen dich andere?

Zuerst habe ich mich um die technische Einrichtung der Social-Media-Kanäle gekümmert.  Jetzt sorge ich in Sachen Social Media in erster Linie dafür, dass  regelmäßig unsere  Auftritte gepflegt und bedient werden. Bei den Beiträgen habe ich große Unterstützung von den Kollegen aus der Dramaturgie, meiner Kollegin aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und aus der Theaterpädagogik. Außerdem wählen wir unsere Praktikanten im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zunehmend danach aus, ob sie Lust und Talent zum Schreiben kurzer Beiträge und zum Erstellen von kleinen Videos haben.

Für niemanden von uns ist das die Hauptarbeit – für alle sind die Social Media Aktivitäten zum ganz normalen Arbeitspensum mit dazu gekommen. Aber das gemeinsame Suchen nach Themen oder die spontane Idee des einen oder anderen Kollegen, die in diesen Formaten durchaus etwas unkonventioneller ausfallen dürfen, ist auch gut für das kollegiale Miteinander. Wir „spinnen“ gemeinsam und das macht Spaß. Die größte Hürde ist leider immer wieder die fehlende Zeit.

Wer sind all die Blogautoren?

Das sind die im vorangegangenen Punkt genannten Autoren – Kurzlebensläufe stehen im Blog.

 Plant ihr eure Social-Media-Aktivitäten weiter auszubauen? Ist eine personelle Aufstockung denkbar?

Wie gesagt, Ideen haben wir noch viele, aber sie sind mit der derzeitigen personellen Situation nicht umzusetzen. Wir hatten jetzt sechs Wochen lang einen SUPER-Praktikanten, einen angehenden Kulturwissenschaftler, der sich wunderbar mit Social-Media auskennt und sehr selbständig die Pflege unserer Auftritte übernommen hat. Der war eine richtige Hilfe und wir haben gemerkt, wie schön es sein könnte, wenn man einen festangestellten Mitarbeiter hätte, der sich allein darum kümmert… Leider muss er jetzt wieder studieren. Die finanzielle Situation unseres Hauses erlaubt es uns leider nicht, die Abteilung personell aufzustocken. Also machen wir erst einmal so weiter.

Was würdest du auf die typische Frage „Was bringt das eigentlich?“ antworten?

Wir als Theater sind unabhängiger von den traditionellen Medien, die unsere Nachrichten „gefiltert“ verbreiten. Ein riesiger Vorteil ist, dass wir mit den Besuchern direkt in Dialoge treten können und nicht auf die Meinung dritter angewiesen sind. Die Social Web Nutzer sind es gewohnt ihre Meinung frei äußern zu dürfen – ohne Vorbehalte. Das ist, was wir wollen, eine ehrliche Meinung.

Ich glaube, die Social Web Nutzer fühlen sich mehr einbezogen in unsere Arbeit, sie können sich ein bisschen besser hineinversetzen in die Zauberwelt Theater.

Gerade im Bereich Social Media sehen wir große Chancen, Jugendliche und junge Erwachsene für uns zu interessieren. Die Generation, die gerade heranwächst, wächst auch mit Social Media auf. Für sie ist das Internet nicht mehr wegzudenken, was für uns bedeutet, dass wir uns noch stärker darauf konzentrieren.