Relevanz von Kultureinrichtungen – Nachtrag zu einer endlosen Debatte

Spätestens seit Erscheinen des Buches Der Kulturinfarkt debattiert man wieder leidenschaftlich über die „Relevanz“ der staatlich subventionierten Kulturbetriebe. Selbstverständlich muss in Zeiten leerer Kommunalkassen auch über Einsparungen im Kulturbereich gesprochen werden, nur ist ein schwammiger Begrif wie „Relevanz“ hierfür wenig geeignet. Ein Blick in das Kulturmanagement-Blog von Christian-Henner Fehr zeigt, wie hilflos und verfahren sich eine Diskussion um Relevanz ausnehmen kann.

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Fotos: rbb/ Oliver Ziebe

Nach welchen Kriterien wollen wir Relevanz messen? Genügt es nicht, dass Orchester, Oper und Theater für diejenigen einen Mehrwert darstellen, die dieses Angebot wahrnehmen? Wollen wir nur noch fördern, was die Mehrheit der Gesellschaft interessiert?

Ich werde auch den Verdacht nicht los, dass die Kritiker der Subventionskultur gar nicht so genau wissen, was sie da eigentlich in Frage stellen. Christian Henner-Fehr schreibt in seinem Blogpost, dass Kultureinrichtungen ihre Kritiker ernst nehmen sollten. Dito! Aber das muss dann auch umgekehrt gelten!

Wer die Relevanz einer Kultureinrichtung erkunden will, der sollte einfach hingehen, z.B. in ein Kinderkonzert mit dem DSO Berlin. Wir waren gestern mal wieder da und haben folgendes geboten bekommen:

  •  eine Stunde „Open House“, wo Musiker im Foyer ihre Instrumente vorstellen. Mein Sohn hat mit unterschiedlichem Erfolg Horn, Trompete, Geige und Fagott „gespielt“. Horn findet er jetzt klasse.
  •  ein hervorragend moderiertes Konzert mit Smetanas „Moldau“, dargeboten von einem weltklasse Orchester. Zusätzlich haben zwei Schulklassen ihre Klangkompositionen zum Thema Wasser vorgestellt. Der große Sendesaal im Haus des Rundfunks war rappelvoll.
  •  Kosten für eine dreiköpfige Familie: €24

Relevant genug?

Wenn ich mir jedenfalls den Trailer zum „Kulturinfarkt“ anschaue, muss ich sagen: diese Herren haben in einer konstruktiven Debatte über Kultur keine Relevanz!