Raus aus den Heiligen Hallen! Die Kulturtempel müssen sich weiter öffnen.

Unnötig zu erwähnen, dass die meisten Kultureinrichtungen das Web bislang eher suboptimal für Ihre Zwecke einsetzten. Aber hilft es, sich darüber zu beklagen? Vielmehr sollte man sich fragen, ob der Branche nicht allzuoft etwas als „überlebensnotwendig“ verkauft wird, das evtl. (noch) gar nicht so wichtig ist?

„Transmedia Storytelling“ lautete das Motto der letztjährigen stARTconference, entsprechend mager fiel das Interesse von Seiten der Kulturschaffenden aus. Beim aktuellen Crowdfunding-Projekt für die stART12 sieht es so aus, als sei man hier bereits am Start stecken geblieben. Warum? Vielleicht braucht eine Kultureinrichtung keine Konferenzen oder Web-Erklärer, sondern erstmal die banale Einsicht, dass man mit dem was man macht, rausgehen muss – und „draußen“ bedeutet heutzutage „ins Netz“! Das nötige Know-How kann man sich auch in kleineren Runden wie z.B. den von Karin Janner initiierten stARTtogethers oder mit einer Inhouse-Schulung holen – das ist alles keine Geheimwissenschaft à la Sarastro.

Die Museen präsentieren sich im Netz schon recht gut, Theater und Orchester werden nach und nach folgen. Auf zwei interessante Beispiele bin ich kürzlich gestoßen:

• das Theater Ulm streamt sein aktuelles Stück „Rommel – ein deutscher General“ am 27.3. live aus dem Großen Saal und unterstreicht dabei ausdrücklich die Absicht, mithilfe des Internet dem weitgehend kulturfreien Fernsehprogramm etwas entgegenzusetzen.

• die Junge Deutsche Philharmonie spielt am 29.3. live und kostenlos in der Digital Concert Hall der Berliner Philharmonie, die sich jetzt auch für Jugend- und Studentenorchester öffnet.

Auch wenn dies einstweilen erfreuliche Einzelfälle sind und die Vernetzung der genutzten Kanäle noch zu wünschen übrig lässt – die Marschrichtung ist klar: zeigt her eure hochwertigen, mit öffentlichen Geldern produzierten Konzerte, Premieren und Ausstellungen! Macht euch sichtbar! Wer von Hause aus spannende Geschichten erzählt, braucht sich um Hypes wie Transmedia Storytelling nicht den Kopf zu zerbrechen.