Leere Regale: Die Deutsche Digitale Bibliothek (1)

Wenn sich eine Sparte dem Internet zu öffnen versucht, die bislang eher als mittel-web-affin galt, läuft man schnell Gefahr, erstmal all das zu entdecken, was so gar nicht der eigenen Web-Realität entspricht. So auch bei der gestern gelaunchten Beta-Version der Deutschen Digitalen Bibliothek, deren Aufbau und Finanzierung bereits im Jahre 2009 als Kampfansage an Google-Books im Bundestag beschlossen wurde.

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Eine gewisse Häme kann ich mir tatsächlich nicht verkneifen angesichts des folgenden Bundestags-Videos. Man beachte, mit welcher Leidenschaft Bernd Neumann über den Aufbruch ins Internet spricht und vor allem, welche Aufmerksamkeit die drei bis vier Regierungsmitglieder Redner und Thema schenken!

Einen kleinen Einblick in das Ergebnis bietet der Image-Trailer, den ich hier leider nur verlinken kann (Weiterverbreitung unerwünscht?). Geradezu rührend die Passage über die DDB als künftiges Social Network aller Kulturinteressierten Menschen.

Beim ersten Stöbern wird schnell klar, welches das Hauptproblem dieses Vorhabens ist und lange bleiben wird: Das Urheberrecht. Im Gegensatz zu realen Bibliotheken sind urheberrechtlich geschützte Werke aus Literatur, Film und Musik schlichtweg nicht drin. Also nicht hinter einer Paywall oder mit einem kostenpflichtigen Dienst verlinkt, nein – nicht existent! Wer´s nicht glaubt, gebe mal „Buddenbrooks“ oder „Die Blechtrommel“ ins Suchfenster ein. Den Medientyp „Text“ oder „Buch“ sucht man hier vergebens.

Bleiben also Preziosen wie Rilke Originalausgaben aus der Insel-Bücherei oder Puccini-Aufnahmen von 1911 (die nur auf Umwegen geöffnet und angehört werden können) und eine erschreckend magere Fotosammlung von Museumsobjekten.

Sorry to say, aber das ist keine Beta-Version, bestenfalls eine Gamma oder Delta. Und eine Bibliothek ist das mit Verlaub auch nicht, sondern eine mangelhafte Kultur-Suchmaschine. Den eifrigen Buch-Digitalisierer Google wird´s freuen.