Kulturmarketing auf dem Rasen

Als ich Kerstin Hoffmanns Aufruf zur Blogparade „Diesseits der Trampelpfade“ las, fielen mir einige schöne Erlebnisse meines bisherigen Berufslebens ein, vor allem aber eines aus dem Jahr 2001.

Meine ersten Monate in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit waren zugleich die spannendsten und intensivsten: Das Schleswig-Holstein Musikfestival – viel Arbeit, großartige Konzerte, zahlreiche Parties und nicht zuletzt Freundschaften und Kontakte, die zum Teil bis heute bestehen.

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Schloss Salzau

Meine Aufgabe war die Betreuung der täglichen Fernsehberichterstattung des NDR. Ein dreiköpfiges Team rückte jeden Vormittag an, um einen 15 minütigen Beitrag für das Vorabendprogramm zu produzieren. Das „Futter“ musste ich liefern, also Interviewpartner, Hintergrundthemen zu den Künstlern, Anekdoten oder – wie in einem Fall –  Fußball!

Ein Highlight des Festivals war der Auftritt der King´s Singers, ein weltklasse Vokalensemble aus England und regelmäßiger Gast bei den Meisterkursen. Wie die meisten Briten sind die sechs Sänger absolute Fußball-Freaks, was sich schon beim ersten Kennenlernen herausstellte. Als ich eines Morgens noch schlaftrunken auf den großen Rasen vor dem Festivalbüro blickte, kam mir plötzlich die Idee des Tages: Wir bieten dem Fernsehen ein Fußballspiel – live! Festival Team gegen die Kings, also Deutschland gegen England, sozusagen als Revanche für die Schmach von 1966 (war da was?).


Können auch Fußball: Die King´s Singers

Meine anfängliche Sorge, für verrückt erklärt zu werden oder wenigstens meinen Job zu verlieren, erwies sich als unbegründet. Alle Beteiligten waren hellauf begeistert: aus alten Festival-T-Shirts wurden Trikots, die Damen des Büros (außer den beiden, die mitspielten) versammelten sich als Cheerleader am Spielfeldrand und das Fernsehteam ließ ausnahmsweise schon vor Drehbeginn die Korken knallen. Nicht einmal die Tatsache, dass ein Sänger sich den Knöchel verstauchte und abends auf die Bühne humpeln musste, wurde mir nachgetragen. Es war einfach ein riesen Spaß und ganz nebenbei meine vermutlich erfolgreichste Marketingaktion!

Was ich daraus gelernt habe? Man erreicht die Leute nicht mit vorgefertigten Marketingfloskeln und „buy my stuff!“ -Messages, sondern mit Autentizität. Die meisten Künstlerbiografien lesen sich in etwa so:  „… ist ein international renommierter Künstler, konzertiert in allen großen Häusern und Festivals dieser Welt, etc…“. Big deal. Spannender ist hingegen das Persönliche, Außergewöhnliche und nicht zuletzt – Spaßige. Das vergisst man im Alltag leider allzu oft.