Kulturflatrate: Die Strukturen sind vorhanden

Zeigt uns die Schweiz, wie es gehen könnte? Während hierzulande weiter auf Kriminalisierung privater Nutzer gesetzt wird, ist man dort bereits einen Schritt weiter: Nicht nur sind in dem sonst so korrekten Ländchen private Downloads generell legal (ohne übrigens, dass iTunes dort schlechtere Geschäfte machen würde), es liegt Dank Gerd „Media Futurist“ Leonhard ein ganz konkreter Vorschlag für die Umsetzung der viel diskutierten Kultur-Flatrate vor (zunächst für die Musikbranche).

Schaltzentrale

Quelle: Flickr/ AbwehrZentrum

Was ich mich beim Lesen seines offenen Briefs an die Kulturindustrie fragte: verfügen wir nicht bereits über die notwendigen Strukturen? Gilt es nicht lediglich, die Kräfte aller Beteiligten zu bündeln?

Leonhard schlägt unter anderem vor, die SUISA, also das schweizerische Pendant zur GEMA in die Pflicht zu nehmen und so vorhandene Vergütungsstrukturen zu nutzen. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und dafür Plädieren, ALLE Verwertungsgesellschaften und vor allem auch die Gebühreneinzugszentralen der Rundfunkanstalten mit dem Einzug und der Verteilung einer Kulturpauschale zu beauftragen. Damit wären die Internet-Provider, die Leonhard für den Gebühreneinzug vorschlägt, aus dem Schneider.

Nehmen wir Deutschland als konkretes Beispiel:

  • die GEZ will ab 2013 jeden Haushalt mit Internetanschluss mit einer pauschalen Abgabe belegen. Eine „Einzugszentrale“ haben wir also bereits, nur dass die Gebühren ausschließlich den Rundfunkanstalten zugute kommen. Wenn Fernsehen und Internet langsam aber sicher zusammenwachsen, ist es aus meiner Sicht nur folgerichtig, dass Rundfunkgebühr in „Kulturgebühr“ umgewandelt wird.
  • Würde man auf diese Gebühr €4/ Monat draufschlagen, hätte man den von Leonhard geforderten Betrag für eine Kulturpauschale zumindest schonmal eingezogen. Wie aber kommt das Geld nun bei den Urhebern und Produzenten an?
  • die Verteilungskompetenz ist ebenfalls vorhanden (wenn auch reformbedürftig), nämlich in Form der Verwertungsgesellschaften GEMA, GVL, GÜFA, VG Wort, etc.
  • Wahrscheinlich wird man auch Google und Apple an den Tisch bitten müssen. Der Apfel-Konzern wird sicher nicht freiwillig auf seine Cash-Cow iTunes verzichten wollen. Andererseits dürfte auch CEO Tim Cook wissen, dass der Verkauf von digitalen Kopien nur ein Übergangsmodell sein kann.
  • die Herkulesaufgabe wird darin bestehen, alle Beteiligten zur Zusammenarbeit zu verpflichten. In Anbetracht des immensen Reformbedarfs der genannten Einrichtungen und im Zuge einer unausweichlichen Novellierung des Urheberrechts muss die Entwicklung in diese Richtung gehen. Eine Alternative kann ich mir nicht vorstellen. Außer, es werden gleichzeitig alle Copyshops geschlossen, was sich auch die Süddeutsche Zeitung nicht vorstellen mag 🙂

Hoffen wir, dass das „Schweizer Modell“ Schule macht und man auch in Brüssel in diese Richtung zu denken beginnt. Bis zu einer EU weiten Richtlinie ist es sicher noch ein langer, steiniger Weg.