Je schriller desto Twitter

Palmer

Amanda Palmer weiß das Social Web für sich zu nutzen

 

 Ich klage ja hin und wieder, dass die allgegenwärtigen Lobpreisungen des Social Web als Selbstvermarktungstool an der Realität der meisten Musiker vorbeigehen. Vielleicht spricht daraus auch die Enttäuschung, dass seit Jahren dieselben Reden zu hören sind, in denen lustvoll der Niedergang der Plattenindustrie beschrieben wird, die Frage nach alternativen Geschäftsmodellen sich jedoch meist auf schwammige Empfehlungen wie Merchandising und Premium-Angebote beschränkt – im Zweifelsfall einfach mehr live spielen…

Aber betrachten wir die Situation einmal ganz nüchtern:

Noch nie war es für Musiker/ Bands so einfach, auf sich aufmerksam zu machen wie heute. Andererseits haben sich auch noch nie so viele Künstler Hoffnungen gemacht, aus dem Hobby einen Beruf machen zu können. Plattformen wie ReverbNation oder (ganz neu) Artist Intersect suggerieren selbst der mittelmäßigsten Band, dass Erfolg nur eine Frage des Engagements und der richtigen Tools sei. Im Web kann sich heute jeder so professionell darstellen wie ein Superstar und mit aktiver Vernetzung eine Fangemeinde aufbauen, die Verbreitung von Songs und Videos kostet so gut wie nichts – von daher haben wir eine recht faire Ausgangssituation. So weit, so gut.

Was häufig unterschlagen wird: um aus Facebook, Twitter & Co einen kommerziellen Nutzen ziehen zu können, braucht es Friend- und Followerzahlen, die für den durchschnittlichen Künstler unmöglich zu erreichen sind. Wie Gerd Leonhard sagt, reicht es nicht aus, gut zu sein, man muss als „Brand“ überzeugen. Und je schriller der Brand, desto erfolgreicher. Mit 400 Followern ist kein Staat zu machen, mit 400.000 schon.

Wie man dieses Kapital in bare Münze umsetzt, beschreibt Amanda Palmer von den Dresden Dolls in einem amüsanten Blogpost.

Für die meisten Musiker jedoch gilt: das tägliche Brot des Geldverdienens ist – mit oder ohne Web – ein hartes.