„Into a New World“: Remix-Contest des DSO Berlin

Remix und Mashup sind Begriffe, die weitaus älter sind als das Internet. Allerdings erleichtert das Social Web mit Plattformen wie YouTube und Facebook die Partizipationsmöglichkeiten enorm. Kein Wunder also, dass auch Kulturinstitutionen beginnen, diese spielerischen Kunstformen in ihr Marketingkonzept zu integrieren.

Das Besondere am aktuellen Remix-Contest des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin ist das Ausgangsmaterial: Die „Loops“, 24 Fragmente aus Dořaks Neunter Symphonie, wurden eigens zu diesem Zweck vom Orchester eingespielt, mit der Aufforderung verbunden, diese als Grundstoff für neue Kompositionen zu nutzen. Auf Soundcloud findet sich sowohl das Orchestermaterial sowie die ersten Ergebnisse der Teilnehmer.

 

 

Aus diesem Anlass sprach ich mit den Initiatoren des Projekts:

Das musikalische Material für den Contest wurde vom DSO eigens zu diesem Zweck aufgenommen. Wieso greift ihr nicht auf vorhandenes Material zurück? 

Es war uns wichtig, Re-Mixern und Re-Arrangern möglichst klare Klangspuren zu liefern, d. h. keine Tutti-Passagen mit allen Orchesterinstrumenten wie sonst üblich, sondern charakteristische Elemente offen liegend zur Verfügung zu stellen. Dadurch bieten wir die einmalige Chance, Klangmotive einzelner Instrumentengruppen wie der Blech- oder Holzbläser, der Violinen oder Kontrabässe weiterzuverarbeiten. Daraus ergeben sich für DJs und Musikproduzenten weitaus mehr Möglichkeiten als bei herkömmlichen Klassik-Remix-Wettbewerben.

Musikalische Mashups im Internet kollidieren häufig mit Urheberrechts- und Leistungsschutzrechtsproblemen. Wie ist das in eurem Fall?

Die meisten Rechte erlöschen ja nach einigen Jahrzehnten, und da Antonín Dvořák nun 1904 verstorben ist und wir eigenes Notenmaterial besitzen, können wir mit unseren Aufnahmen absolut frei umgehen. Hier lässt sich ein Remix-Wettbewerb mit klassischer Musik vielleicht sogar einfacher durchführen als einer mit Pop- oder Elektro-Musik, bei der man immer sehr genau hinschauen und aufpassen muss. Die Rechte an den Loops gehören natürlich dem DSO, aber wir freuen uns ja gerade über die vielseitige Verwendung innerhalb des Wettbewerbs.

Nach welchen Kriterien wurden die Auszüge aus Dvořáks Neunter Symphonie ausgewählt?

Uns war es zum einen wichtig, Motive auszuwählen, die den Charakter des Satzes widerspiegeln und einen hohen Wiedererkennungswert haben, zum anderen haben wir gleichzeitige Passagen isoliert, in denen ohnehin bestimmte Instrumentengruppen sehr offen liegen. Der dritte Satz bietet sich allein aus diesen Gründen hervorragend an. Hinzukommt, dass dieses Scherzo einen unheimlichen Drive hat, rhythmisch nach vorne geht (Molto vivace) und durch seinen 3/4-Takt eine besondere Herausforderung für die Weiterverarbeitung bietet, da westliche Clubmusik zumeist auf einem „geraden“ 4/4 -Takt basiert.

 Wie kann man mitmachen? Welches ist die Zielgruppe?

 Mitmachen ist wirklich sehr simpel. Man besucht die Internetseite www.into-a-new-world.de und klickt im Sub-Menü auf „Teilnehmen“ und wird geradezu an die Hand genommen. Dort füllt man ein Teilnahme-Formular online aus und erhält eine kurze Erläuterung, wie und wo man sich die „24 Loops“ von der SoundCloud-Seite des DSO herunterladen kann. Diese stehen dann als Basis für eigene Tracks in einer maximalen Länge von 12 Minuten zur Verfügung. Seinen fertigen Track lädt man dann bei seinem eigenen Soundcloud-Account hoch und verknüpft diesen abschließend mit unserer Gruppe.

Wir richten uns mit dem Wettbewerb an alle Kreativen, die Lust und Freude haben mit unseren Loops musikalisch umzugehen, dabei geht es im Normalfall um DJs oder Musikproduzenten in einer Altersspanne von 15 bis 45 Jahren, aber nichts ist unmöglich …