Heul doch!

Nicht nur in der Politik, auch unter Musikern gibt es die ewig Gestrigen. Während die agressiven Äußerungen von Metallicas Lars Ulrich an die Adresse von Raubkopierern noch in eine Zeit fielen, als der Kampf zwischen Napster und Plattenlabels auf seinem Höhepunkt war, kann man Jon Bon Jovis jüngste Äußerungen im Magazin t3n (ursprünglich in der Sunday Times, aber da gibt´s leider eine Paywall) nur als Weinerlichkeit eines alternden Posers Rockstars bezeichnen. Die Behauptung, Steve Jobs habe das Musikgeschäft „auf dem Gewissen“, ist in gleich zweierlei Hinsicht grober Unfug.

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(Foto: bon-jovi.de)

Zum einen hat Apple das Musikgeschäft nicht kaputt gemacht, sondern nur das getan was die Plattenindustrie jahrelang versäumte – nämlich die Führung im digitalen Vertrieb von Musik zu übernehmen. Zum anderen bot das von unserem lieben Jon schmerzlich vermisste Business nur für wenige eine wirkliche Perspektive. Wenn er fantasiert, früher hätten auch unbekannte Bands eine Chance gehabt, über unabhängige Plattenläden Alben zu verkaufen – das sei durch den Vertrieb über iTunes heute so nicht mehr möglich (sic!) – zeigt das lediglich, dass er die heutige Situation von jungen Musikern ebensowenig einzuschätzen weiß, wie die seiner weniger erfolgreichen Kollegen in den 80ern.

Weder gestern noch heute war und ist der Verkauf von Musik für kleine Bands eine nennenswerte Einkommensquelle, es gilt nach wie vor „spielen, spielen, spielen“.

Was stimmt ist, dass durch das Internet (nicht nur iTunes) das Erleben von Musik immer kleinteiliger, beliebiger wird. Auch ich bedauere den Verlust des Album-Formats mit der dazugehörigen optisch-haptischen Erfahrung des Plattencovers. Dass Jons Lamento in einem Magazin mit dem Motto „Open.Web.Business“ erscheint, finde ich allerdings sehr lustig.