Die unerträgliche Vielfalt der Möglichkeiten – Gedanken aus dem Sommerloch

Heute habe ich alle – wirklich alle – interessanten Blogposts, die in meinen Google Reader geflattert sind, gelesen. Ganz in Ruhe und ohne Ablenkung, habe hier und da kommentiert und ein paar fröhliche Tweets rausgeschickt. Jetzt schreibe ich noch diesen Post, dann ist Feierabend. Wie das möglich ist? Ich leiste mir heute den Luxus, alle operativen Tätigkeiten wie Mails bearbeiten, Kundenpflege betreiben, etc. aus meinem Bürotag zu verbannen – schließlich befinden wir uns im Sommerloch und gefühlte 90% der Kulturbranche sind im Urlaub, ebenso meine beiden VioWorld-Mitarbeiter. Was aber tun, wenn auch die „Arbeit 1.0“ erledigt werden muss? Wie findet man die richtige Balance?

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Einer der heutigen Blogposts aus dem Music Think Tank beschäftigt sich mit der Tatsache, dass sich der Musikkonsument heute einem unendlichen Meer an verfügbaren Songs gegenüber sieht. Während es unbedingt zu begrüßen ist, dass man heute mehr als die von der Plattenbranche diktierten Top-40-Hits zur Verfügung hat, stellt diese Fülle an konsumierbarem Material gleichzeitig eine Überforderung des Konsumenten dar: Wenn ich ALLES hören kann, ist es fast egal WAS ich höre. “This freedom, however, may have the unintended consequence of distracting the listener from his or her current listening experience, thereby diluting this experience by diverting the listener’s cognitive focus from the music itself to the musical choices available.”

Ähnlich sieht es mit dem Lesen aus. Die aktuelle Zeit-Serie „Hurra, wir lesen noch“ trägt der Tatsache Rechnung, dass das Internet allen Unkenrufen zum Trotz ein Lesemedium ist, uns also nicht vom Lesen abhält, sondern uns dazu ermutigt, ja zwingt. Die Art und Weise WIE wir lesen (langsam und genau vs. schnell und oberflächlich) und WAS wir lesen (Blogposts und Tweets vs. Bücher) hat sich dramatisch geändert. Eine radikale Empfehlung spricht Adam Hodgkin in seinem Post „In Praise of Not-Reading“ aus: Es kommt nicht darauf an, was wir lesen, sondern was wir NICHT lesen.

Gerade wer im Beruf klassische Bürotätigkeiten und Social Media Aktivitäten unter einen Hut bekommen muss, braucht ein gutes Zeitmanagement, wenn das Lesen und Schreiben von Texten – wie auch das hören von Musik – Freude und nicht Stress bereiten soll. Mir gelingt das leider selten.

Wie geht ihr mit diesem Problem um? Ich freue mich auf eure Kommentare.