Die Duisburger Philharmoniker killen ihren Blog – ein Erklärungsversuch

Als wir mit Vioworld vor drei Jahren zu bloggen anfingen, war der erste Link in unserer Blogroll der DaCapo Blog. Als erstes deutsches Orchester wagten sich ausgerechnet die Duisburger 2008 ins Web 2.0, lange vor den Berliner Philharmonikern, die ja heute mit ihrer Digital Concert Hall als Vorreiter gelten. Sowohl neue wie auch alte Medien waren voll des Lobes, der Imagegewinn enorm. Warum nach drei erfolgreichen Jahren nun plötzlich das Aus kommt, scheint man auch im eigenen Haus nicht so genau zu wissen. Der Tenor des Abschieds-Posts: Wir sind stolz auf unseren Blog, also hören wir jetzt auf! Hä?

Socialsuicide

Umso unverständlicher ist diese Entscheidung vor dem Hintergrund, dass man die Facebook- und Twitter-Accounts weiter laufen lässt. Das sieht schon arg nach einer Kurzschlusshandlung aus, die personelle und/oder finanzielle Hintergründe haben dürfte – eine einsame (und brachiale) Entscheidung von oben?

Da uns das Orchester selbst die Erklärung schuldig bleibt, ist man auf eigene Spekulationen angewiesen. Hier ein paar unstrukturierte Gedanken zum Thema:

  • es ist grundsätzlich besser, ganz auf Social Media zu verzichten, als dies halbherzig und „nebenbei“ zu betreiben
  • Social Media ist nicht für jedermann und jede Einrichtung lebensnotwendig. Jeder Mensch und jede Einrichtung sollte für sich entscheiden, welche Art der Kommunikation zu ihm passt
  • noch schlimmer als eine halbherzige Social-Web-Kommunikation ist jedoch eine gute und engagierte Social-Web-Präsenz, die plötzlich eingestellt wird. Man kann nicht erst eine Community aufbauen und diese dann ratlos zurücklassen.
  • das Engagement im Social Web steigert nicht notwendigerweise den Kartenverkauf, zugegeben. Aber ist das der einzige Faktor, der interessiert?
  • in Duisburg offenbar schon, anders ist diese Entscheidung nicht zu erklären. Wenn es nur darum ging, eine Freelancer-Stelle einzusparen – umso schlimmer.
  • solche Kurzschlulsshandlungen sind unverzeihlich, haben aber vielleicht ihre Ursache in überzogenen Erwartungen, die von einem gewissen Social-Web-Hype geschürt werden. Das sollten gerade diejenigen bedenken, die von dieser Branche (und diesem Hype) leben. Je höher die Erwartngen geschraubt werden, umso größer die mögliche Enttäuschung.
  • Liebe Philharmoniker, lieber Herr Wendel: bitte nochmal drüber nachdenken! Euer Blog hatte hat viele Freunde!