Bloggen, meine Anfänge #6

Unter dem Motto „Bloggen, meine Anfänge“ sollen an dieser Stelle Blogger aus dem Kulturbereich zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen – positiv wie negativ – berichten. Ob diese für eine Einrichtung oder privat schreiben,soll hierbei keine Rolle spielen, schließlich sollte in beiden Fällen eine Person dahinter stehen.

Der heutige Beitrag kommt von Hanspeter Gautschin von BodeständiX

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Mit spitzbübischer Freude die Suppe versalzen

Zum Bloggen bin ich zugegebenermassen aus Frust gekommen. Nachdem ich viele Jahre aktiv im Kultur- und Kunstbereich Schweiz tätig gewesen bin, habe ich anfangs des neuen Jahrtausends den Auftrag gefasst, dem bis anhin müde und kraftlos dahin dümpelnden Schweizerischen Zentrum für Volkskultur in Burgdorf/Schweiz neue Impulse zu geben, neuen Glanz zu verleihen.

Das hätte ich mir früher wohl in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können, strafte doch auch ich diese Kultursparte mit höchster Verachtung. Zu rückständig, zu sehr von der politischen Rechte vereinnahmt, zu dümmlich ihre Ausdrucksarten. Es dauerte jedoch nicht lange und ich hatte einen vertieften Einblick ins Schaffen dieser LaienkünstlerInnen. Insbesondere das Jodeln – nicht nur aus der Schweiz – hat mich dabei berührt.

Doch es kam, wie es halt in der Schweiz so kommen musste: Kurz vor dem erfolgreichen Turnaround, das Zentrum hiess nun in neuer Aufmachung „Haus der Volkskultur“, klemmten die beiden einzigen Subventionsgeber, die unglücklicherweise auch noch den (schwachen) Stiftungsrat dominierten, die Gelder ab. Das Haus wurde geschlossen. Das Haus, anfangs 90er Jahre mit 20 Millionen Schweizer Franken luxuriös als Museum- und Kulturhaus umgebaut, wartet seither vergeblich auf eine neue Bestimmung.

Mit dem Bloggen erhoffte ich mir, die in der Schweiz grösstenteils verschmähte traditionelle Kultur, den urbanen Kulturfreaks etwas näher zu bringen. Ich wollte meine eigenen Entdeckungen auch anderen zugänglich machen. So verfasste ich viele Beiträge, welche die verschiedenen Ausdrucksarten der „Volkskultur“ in einem neuen Lichte zeigen sollten. Gleichzeitig mit meinem Blogstart hat auch Pro Helvetia (Schweizerische Kulturstiftung) das Thema „Volkskultur“ für sich entdeckt. Auch sie installierten ein Volkskultur-Blog, wo ich zünftig mit kommentierte, selbst Beiträge verfasste und sogar Blogbekanntschaften aus Österreich machte. Dadurch häuften sich auch die Besuche auf meinem eigenen Blog.

Nun, die ganz grosse BesucherInnenzahl habe ich mit meinem Blog bis heute nicht erreicht. Ich habe jedoch – gerade aus der städtischen Kulturszene – viele positive Rückmeldungen erhalten. Nicht direkt als Blogkommentare, sondern als E-Mail- wie auch Briefzuschriften. Sie haben, angespornt durch meine Beiträge, die „Volkskultur“ für sich neu entdeckt, haben sogar volkskulturelle Anlässe besucht, wie sie mir etwas verschämt gestanden. Und irgendwie ist auch in der Schweiz etwas in Bewegung geraten. Die Medien berichten mehr und vor allem mit Respekt über die etwa 300‘000 in der Schweiz aktiven Volkskulturschaffenden. Habe ich vielleicht mit meinem Blog etwas Klitzekleines dazu beigetragen?

Doch auch gegenteilige Reaktionen musste ich einstecken von Menschen, die mich als „tumben“ Rechtsaussen outen wollten. Weshalb? Eben, weil ich über „Volkskultur“ bloggte. Das reichte ihnen schon aus, mich zu verunglimpfen. Selbstverständlich anonym. Das bereitete mir schon Mühe und ich wollte dann auch Ende 2008 den „Löffel hinwerfen“. Dank Zuspruch meiner treuen BlogleserInnen habe ich tapfer weitergemacht und meine Beiträge etwas ausgeweitet, weil ich mir Kultur als gesellschaftliches Phänomen und nicht als Kunstäusserung betrachte.
Es braucht schon einiges, um über Jahre hinweg regelmässig zu bloggen: Jeden Tag seine Streifzüge durchs Netz zu machen, Interessantes aufzunehmen und in eigene Beiträge zu verpacken. Dann gilt’s halt auch, Dursttrecken zu überstehen. Dann nämlich, wenn die eigenen Beiträge längere Zeit nicht kommentiert werden, die BesucherInnenzahlen stagnieren. Und last but not least: Auch BloggerInnen haben Durchhänger und die Beiträge kommen nicht immer so leichtfüssig daher.

Aufhören?

Nein, eigentlich nicht. Solange es meine kleine Welt gibt, solange habe ich auch etwas zu schreiben. Seien wir doch ein bisschen ehrlich: Uns BloggerInnen drängt auch missionarischer Eifer zu unserem Tun. Wenigstens bei mir. Ich möchte einfach meine LeserInnenschaft an meinen persönlichen Entdeckungen, Einsichten und Ansichten teilhaben lassen. Und das ist im Zeitalter des Internets halt möglich.

Bloggen ist für mich das Salz in der ansonsten etwas gar faden Mainstream-Medien-Suppe. Manchmal können wir BloggerInnen diese Suppe auch tüchtig versalzen – mit spitzbübischer Freude.