Bloggen, meine Anfänge #4

Unter dem Motto „Bloggen, meine Anfänge“ sollen in den nächsten Wochen und Monaten Blogger aus dem Kulturbereich zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen – positiv wie negativ – berichten. Ob diese für eine Einrichtung oder privat schreiben,soll hierbei keine Rolle spielen, schließlich sollte optimaler Weise in beiden Fällen die Person im Vordergrund stehen.

Der heutige Beitrag kommt von Annette Kaiser, Content Managerin New Media am Konzerthaus Berlin:

Vorab zu meiner Person: Ich habe Musikwissenschaften studiert und einige Jahre artfremd für eine Wirtschaftsorganisation im Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Jedoch hatte ich zunehmend den Wunsch, im kulturellen Bereich tätig zu sein. Als das Konzerthaus Berlin eine Content Managerin New Media suchte, sprich eine Person, die gerne schreibt, klassische Musik mag und (internet-)technisch versiert ist, dachte ich, das paßt und habe mich beworben.

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Nun, es hat geklappt, und so betreue ich seit März 2010 den Internetauftritt für das Konzerthaus sowie die Fanseiten auf My Space und Facebook. Unsere eigentliche Seite bedarf eines dringenden Relaunches. Dieser ist für 2011 geplant, zuvor sollten jedoch, dem Mainstream folgend, schon die neuen Medien bedient werden. Privat hatte ich mich bislang nicht sehr intensiv mit Facebook beschäftigt, jetzt war ich auf einmal in der Pflicht, es geschäftsmäßig zu tun.

Als erstes interviewte ich Facebook-erfahrene Freunde, dann schaute ich, wie es andere Kulturinstitutionen machen. Und dannn legte ich einfach los. Nicht so einfach, denn was erwarten die Fans: Bilder, Veranstaltungshinweise, Kritiken? Ich habe es einfach ausprobiert und gepostet, was mr sinnvoll erschien. Am Anfang gab es wenig Feedback und die Zahl der Fans wuchs spärlich. Inzwischen haben wir 492 Fans. Einige unter ihnen posten eifrig Kommentare und ich beantworte alles. Auch der Sprachduktus bereitete mir am Anfang Schwierigkeiten. Ein eindeutiges Briefing hierzu gab es vom Konzerthaus nicht. Das Publikum schien eher älter, also eine seriöse Ansprache, aber auch die jungen sollten ins Boot geholt und an die Klassik herangeführt werden. Dann also wieder locker und cool. Inzwischen ist klar, ich treffe nicht immer jedermanns Geschmack, die Fans kommen und manchmal verliere ich auch 1 oder 2 (die dann vielleicht doch nochmal wiederkommen).

Aber ich werde immer freier und experimentierfreudiger, was das Posten anbelangt. Außerdem scheinen Bilder sowie eine persönliche, aufrichtige Ansprache den Fans besonders zu gefallen. Sie werfen gerne einen Blick hinter die Kulissen und wollen nicht nur mit Informationen abgespeist werden, die dreimal zitiert werden und von überall her abrufbar sind. Ich selbst schätze auch eher das Ungewöhnliche, neue Blickrichtungen bzw. den Focus af ein Detail, das man im ersten Moment vieleicht für unbedeutend gehalten hätte. Die Fans zu überraschen und Aha-Erlebnisse zu liefern, das ist mein persönliches Anliegen. Ich mag die Dialoge mit den Fans – manchmal kommen sogar tolle persönliche Kontakte zustande.

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Den Wunsch, ganz speziell ein junges Publikum anzusprechen, hat das Konzerthaus jetzt mit einer eigenen Junior Homepage realisiert. Diese Seite habe ich mit Hilfe von Programmierern gebaut und werde sie auch künftig betreuen und weiter entwickeln. Sie setzt auf Interaktion und ich freue mich auf das Feedback der Kinder. Direkt nach dem Onlinegang am 18. Mai habe ich eine Fanseite auf Facebook aufgesetzt, eine Fanseite bei StudiVZ und SchülerVZ ist in Arbeit. Es sind schon geniale Medien, um schnell Informationen zu verbreiten und Interessenten zu gewinnen. Für die Junior Homepage habe ich zudem einen Aufruf für Junge Reporter gestartet. Wir möchten, dass die Kinder mitmachen und ihre eigenen Erfahrungen aufschreiben. Wenn wir Junge Reporter gefunden haben, werden sie im Namen des Junior Konzerthauses für andere Kinder schreiben. Die Artikel sollen in einem eigenen Blog veröffentlicht werden, per Login könnte es für die Jungen Reporter sogar einen eigenen Bereich geben, in dem sie Tipps und Insiderinformationen austauschen können bzw. Schulungsmaterial erhalten (Redaktionelle Leitfäden, Informationen zu Produktionen, etc.).

Für die „Große Website“ steht, wie erwähnt, zunächst dringend der Relaunch an. Aber parallel dazu könnte ich mir durchaus vorstellen, einen Blog zu starten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Ein Blog mit den Musikern (ganz klassisch), evtl. aber auch mit Textbeiträgen von Leuten hinter den Kulissen. Vielleicht setze ich aber auch einen Blog auf zu den Erfahrungen einer Content Managerin im Konzerthaus Berlin. Das ist schließlich richtig neu.

Natürlich geht es in meinem Job nicht nur um die Neuen Medien, sondern nach wie vor auch um klassische Pressearbeit und Gestaltung. Aber die Neuen Medien nehmen doch eine großen Platz ein, auch für die Intendanz, die meine Aktivitäten aufmerksam verfolgt. Ich bin gespannt, wie sich alles weiterentwickelt. Strategien sind wichtig und müssen in einem gewissen Maße vorhanden sein, aber manchmal darf man auch nicht zu lange überlegen, sondern muss einfach loslegen.

Annette Kaiser twittert auch unter @_konzerthaus