Bloggen, meine Anfänge #2

Mit Kulturmanagement-Blogger Christian Henner-Fehr habe ich – ganz im Sinne des Kulturcafés – eine gemeinsame Reihe gestartet: Unter dem Motto „Bloggen, meine Anfänge“ sollen in den nächsten Wochen und Monaten Blogger aus dem Kulturbereich zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen – positiv wie negativ – berichten. Ob diese für eine Einrichtung oder privat schreiben,soll hierbei keine Rolle spielen, schließlich sollte in beiden Fällen die Person im Vordergrund stehen.

Der heutige Beitrag kommt von Michael Heinz vom Webteam der Kronberg Academy:


Mein Einstieg ins aktive Bloggen ist jüngeren Datums. Beim Web 2-0 insgesamt liegen die Dinge gänzlich anders. Durch meine professionelle Vorgeschichte (ich arbeitete bis vor kurzem für IBM im Bereich Software) hatte ich mich viel und mit großer Faszination mit den technologischen Aspekten der Internet-Technologie auseinandergesetzt und viel über die einzelnen Evolutions-Stufen seit Ende der Sechziger Jahre (ARPAnet) bis heute in Erfahrung gebracht. Und über einzelne Aspekte bei verschieden Gelegenheiten innerhalb und außerhalb von IBM berichtet, Rede und Antwort gestanden. Soziale Netzwerke und Soziale Medien drängten dabei immer mehr in den Vordergrund. Eine faszinierend Entwicklung, wie ich fand.

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Ein kurzer Blick in den Rückspiegel:
Web 2-0 wurde so um das Jahr 2004 zunächst in USA zu einem neuen Buzz-Word (ich nenne dies hier der Einfachheit halber „das Mitmach-Web“, geprägt hatte den Begriff Terry O`Reilly, ein echter Vordenker aus Amerika) und die ersten Blogs bevölkerten diverse Internetseiten. Ich dachte damals, da könnte man individuell aber auch als Repräsentant seiner eigenen Organisation die Kommunikation mit anderen Gleichgesinnten oder Freunden und Kunden auf eine neue Stufe heben. Engagiert geschrieben, relevante Themen markant umreißend, Menschen inspirieren und möglichst viel Feedback, Anregungen und Ideen erhalten und mit seinen jeweiligen Zielgruppen in einen echten, ehrlichen und authentischen Dialog treten – keine Marketing und Vertriebskommunikation der alten Schule.

Zunächst aber war ich nur Konsument diverser höchst origineller und spannender US-Blogs (Seth Godin zum Beispiel, bis heute) das war die Phase zwischen 2007 und 2009. Meine favorisierten Themen waren: Neue Technologien und Zukunfts-Themen ( spannend hier die Thesen und Diskussionen bei John Brockman und die Kolumnen von Jaron Lanier). Dabei hatte ich auch verfolgt, wie die Verantwortlichen der Printmedien allmählich die Gefahren und Substitutions-Effekte des Web 2-0 erkannten und immer häufiger thematisierten. Eine Veränderung der globalen Medienlandschaft war im Gange – sie hält bis heute an und ist von durchdringender Wirkung. Mehr Menschen exponieren sich, wagen sich mit Ihren Meinungen und Provokationen an die Öffentlichkeit – gerade auch mithilfe der „Bloggerei“, dabei die klassischen Content-Provider unter Druck setzend ( „The Pixelization of Journalism“).

Sollte ich einmal selbst schreiben wollen, so dachte ich, dann käme nur eine leicht-fließende frische Sprache in Frage – kein klassischer Journalismus. Das Blogging-Handwerk müsste man im Grunde neu erlernen Dann wäre es auch noch ein Unterschied, ob man individuell bloggt oder im Auftrage einer Institution – in der Tat, zwei Welten. In beiden Fällen jedoch könnte sich der Blogger mit persönlichem Profil in den Blogging-Ring begeben.

Zwischenfazit: hervorragende Beiträge bloggen im Sinne der Zielsetzung einer Institution, für die man das tut, wäre keine triviale Sache. Man muss eine neue, anregende Form des Schreibens finden oder allmählich entwickeln. So dass das Lesen Spaß machen würde und viele Reaktionen und Feedback initiiert würden. Und natürlich müsste ein weiteres Ziel beim erfolgreichen Bloggen sein, die Blog-Leser mit den Werten und Zielen der eigenen Organisation vertraut zu machen, ja, den Wunsch nähren , dazu zu gehören. Eine tolle Herausforderung, bei solch einer Aufgabenstellung mit gestalten zu können – so meine damaligen Gedanken gegen Ende 2009.

Nun, durch meinen Wechsel zur Kronberg Academy im Januar des Jahres 2010, ausgestattet  mit der Aufgabe für Kommunikation und Marketing ( im Zusammenspiel mit weitere Team-Mitgliedern) war ich nun „plötzlich“ selbst aufgefordert, auch die „Bloggerei“ sukzessive für die Academy zu übernehmen. Warum traute ich mir dies zu? Nun, weil ich gerne schreibe und kommuniziere und eine hohe Affinität zum Thema Kommunikation generell habe – im Sinne des Übermittelns klarer Gedanken und Botschaften ( starke Einflüsse: William Strunk, der Stil-Pabst, Karl Popper, der große Philosoph und und Seth Godin, der Meister-Blogger).

Meinen Sprung in die Welt des Bloggens für eine musische-kulturelle Institution konnte ich auch deshalb wagen, weil ich neben meiner Web 2-0 Affinität auch eine gehörige Portion Musikbegeisterung und Nähe zur klassischen Musik mit in meinem Gepäck dabei hatte.
Aber, würde das zum guten Bloggen reichen? Ich war nicht ganz sicher.

Zurück zum Einstieg der Kronberg Academy in die Web 2-0 Welt: Die Kronberg Academy bloggt seit 2008 offiziell. Der Grund war ganz einfach: man versteht sich als innovative Institution, die den technologischen Möglichkeiten gegenüber offen ist , um strategische Ziele zu erreichen. Viele Vorarbeiten in dieser wichtigen Musikinstitution sind in Bezug auf die Fragestellung: „sollen wir bzw. „müssen“ wir auch im Web 2-0 Umfeld Flagge zeigen“ nicht zuletzt auch mithilfe der PR-Expertin Ulrike Schmid (U.S.K.) in enger Abstimmung mit der Geschäftsleitung vorbereitet, analysiert und schließlich auch entschieden worden. Das Votum lautete: Ja, wir betreten die „Web 2-0 Welt“ und wollen aktiv mitmischen, um den Bekanntheitsgrad und die Reputation dieser Institution nach vorne zu bringen.

In Ergänzung zu den bisherigen Kommunikationskanälen sollte es gelingen, mehr Menschen für die Arbeit der Academy zu interessieren und Begeisterung in aktive Mitarbeit umzuwandeln. Denn die Academy lebt vom großen Engagement vieler ehrenamtlich tätiger Menschen. Für diese langfristig formulierte Zielsetzung müsste man auch die Sozialen Netzwerke und dazugehörigen Tools, inkl. die Bloggerei“, einsetzen (neben den Blogs kommen auch Twitter, facebook, Flickr, und VIMEO zum Tragen).

Man muss wissen, dass das Besondere an der Kronberg Academy ( „Wir sind eine Familie“) deren äußerst schlanke Organisationsform ist, gekoppelt mit großer Flexibilität und dem Anliegen, neue passende Ideen rasch umzusetzen. Man will schnell sein, und dabei äußerst effektiv Dinge in die Welt bringen. Klar, da passen Web 2-0 Werkzeuge eigentlich perfekt in den Werkzeugkasten. Die Geschäftsleitung unterstützt daher engagiert unser Auftreten und alle Aktivitäten im Bereich der Social Media. Allerdings gab es kein grenzenloses Vertrauen, in alles was sich Web 2-0 Tools nannte. Eine gewisse Reserviertheit ist allerdings verständlich, wenn man bedenkt, dass eine kleine, aber international sehr angesehene Institution wie die Academy mit begrenzten Ressourcen nicht unreflektiert Geld und Zeit in die jeweils neuesten Web 2-0 Tools und Plattformen investieren kann.

Als es nun los ging mit dem Bloggen, ( mein erster Beitrag erschien am 8. Februar 2010) gab es die ersten rein praktischen Stolpersteine ( Handhabung von WordPress, Integration von Bildern, Diashows, multimediale Inhalte aus Flickr und facebook, Kombination und intelligente Verlinkungen mit anderen Plattformen und Kanälen). Die äußerst kompetente Ulrike Schmid half mir hier sehr effizient über diese erste Hürden. Das Erlernen dieser praktischen Erfordernisse war spannend, nicht immer lustvoll aber dennoch eben wichtig, um in der Bloggerei neue Gipfel zu stürmen.

Ein Punkt noch, den man nicht genügend betonen kann: nur die gezielte Abstimmung und Integration der einzelnen Web 2-0 Kanäle mit den sonstigen PR-Kanälen inkl. Internet-Präsenz, das muss man unbedingt auf die Reihe bekommen und „beherrschen“. Auch hier ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und daher war mir klar: Tipps und Ideen würden goldwert sein. Denn erst dann würde man den vollen Wirkungsgrad seiner Web 2-0 Aktivitäten erreichen! Kein Wunder also: all dies zu optimieren würde viele Monate in Anspruch nehmen und Geduld müsste man auch haben, wenn nicht alles gleich von Anfang an perfekt aufeinander abgestimmt sein sollte. Aber hier kann ich stolz verkünden: wir in der Academy sind eine “lernende Institution“, ganz so wie es Management-Guru Peter Senge vor nahezu 20 Jahren erstmals postuliert hatte.

Was wäre ein Grund, mit dem Bloggen aufzuhören? Nun, da es mir soviel Freude bereitet, eigentlich nur dann, wenn das Internet durch Stromausfall lahmgelegt werden sollte! 🙂

Da bin ich auch schon bei meinen letzten Gedanken: Neben Lust und Begeisterung über die Academy zu schreiben ( Blicke hinter die Kulissen werfen) muss man stets auch ein Auge für neue Themen haben und diese dann mundgerecht aufbereitet und wohlfeil formuliert in den Internet-Äther schicken. Über all der Arbeit als Blogger schwebt dieses Motto:

Der Weg ist das Ziel
( d.h. die umfassende und immer besser werdende Web 2-0 Unterstützung).

Ja, und noch ein Wort: die Team-Kollegen mögen die Blogs. „ Wann kommt der nächste Beitrag?“, diese Frage wird mir immer öfter über den Flur zugerufen!

Na, wenn das kein Ansporn ist!