Babylonisches Wirrwarr im Qualitätsjournalismus

An widersprüchliche Meldungen, Statistiken und „Fakten“ haben wir uns ja weitestgehend gewöhnt – nicht nur in den allabendlichen Talkrunden, sondern auch im sogenannten und selbsternannten „Qualitätsjournalismus“.

Der deutschen Wirtschaft geht es momentan je nach Quelle a) super, weil Exportweltmeister, b) schlecht, weil Exportweltmeister (aber die anderen kaufen nur auf Pump, was wir dann wieder über den EU-Rettungsschirm ausgleichen müssen), c) mittelgut, weil noch Exportweltmeister, aber die „Stimmung“ in der Wirtschaft ist eher negativ.

Dass man aber an einunddemselben Tage in einundderselben Qualitätszeitung zwei vollkommen konträre Analysen einundderselben Studie lesen kann, hätte ich bislang nicht für möglich gehalten.

 

Am 8. Mai erschien im Wirtschaftsteil von Süddeutsch-Online zunächst folgende Schlagzeile:

Staat muss immer öfter Löhne aufstocken

Die Daten dürften die aktuelle Mindestlohn-Debatte befeuern: Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten in Voll- oder Teilzeit und sind sozialversichert – und benötigen dennoch Hilfe aus öffentlichen Kassen. Die neueste Statistik, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt, zeigt auch: Verstärkt trifft es Singles.

 

Am späten Nachmittag dann eine Art Gegendarstellung im SZ-Newsticker:

Arbeitsmarkt – Soziales: Bundesagentur: Zahl der Hartz-IV-Aufstocker sinkt 

Nürnberg (dpa) – Die Zahl der Bundesbürger, die trotz eines Voll- oder Teilzeitjobs auf Hartz IV angewiesen sind, geht zurück. Im vergangenen Jahr bekamen 1,324 Millionen Menschen einen staatlichen Zuschuss – etwa 30 000 weniger als 2011.

«Wir werten das eigentlich positiv», sagte Paul Ebsen, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA), in Nürnberg.

Die «Süddeutsche Zeitung» hatte zuvor berichtet, dass die Zahl der Arbeitnehmer mit einem Einkommen von mehr als 800 Euro, die einen Hartz-IV-Zuschuss bekommen, steige.

 

Ein Schelm, der böses dabei denkt…